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Weitreichende Entwicklungen im Gesundheitswesen
In Unternehmerkreisen herrscht derzeit Zufriedenheit wegen der geringen Krankenstände; doch ist das wirklich eine positive Meldung oder was steckt wirklich auch noch dahinter? Was bedeutet dies sowohl für Unternehmen als auch für die Mitarbeiter?
Nach Untersuchungen des Bundesverbandes der Krankenkassen, die das Krankheitsgeschehen jedes vierten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten analysiert hat, ergeben sich interessante Ergebnisse. Und welche Schlussfolgerungen kann man daraus ziehen?
Nicht unerwartet befindet sich der Krankenstand auf einem sehr niedrigen Niveau. Im Jahre 2006 ist mit 12,4 Tagen der geringste Krankenstand seit 30 Jahren zu verzeichnen. Ein leichter Anstieg 2008 um einen Tag verändert die niedrige Rate nicht grundlegend. Ein weiterer Anstieg im Jahre 2009 auf etwa 4% bestätigt den Trend.
Als Grund wird häufig die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes angegeben – eine plausible Erklärung.
Jedoch sehr viel interessanter lesen sich die Zahlen, die dahinter stecken: Mittlerweile verursachen die psychischen Erkrankungen etwa 10% der Krankheitstage – vor 20 Jahren waren es noch weniger als 2%. Die psychisch bedingten Krankheitstage haben sich in einigen Bereichen innerhalb der letzten 4 Jahren verdoppelt. Und auch der allgemeine Trend zeigt einen steilen Anstieg der psychischen Erkrankungen – auch bei Führungskräften. Doch was steckt genau dahinter?
Am häufigsten werden im psychischen Bereich nicht unerwartet Angststörungen und Depressionen diagnostiziert, wobei es sich bei den Depressionen ebenso um ein „Ausgebranntsein“ (Burnout-Syndrom) handeln kann. In der Praxis wird das Burnout-Syndrom auch als Depression verschlüsselt, obwohl dafür eine eigene Codierung (Schlüsselnummern) existiert (Z73.0). Betroffen sind etwa 20% der weiblichen und 10% der männlichen über 50-jährigen Versicherten.
Die Welt-Gesundheitsorganisation WHO prognostiziert übrigens darüberhinaus einen weiteren dramatischen Anstieg der Erkrankungen im psychischen und psychosomatischen Bereich – zumindest in den hochentwickelten Industriestaaten.
Der Vortrag zum Thema „Sucht - moderne Formen der Angstbewältigung“ des renommierten Göttinger Hirnforschers und Neurobiologen, Prof. Dr. Gerald Hüther, gibt Einblick in die neuesten Ergebnisse und weist damit auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Ängsten und dem Entwickeln von Süchten hin - einem Thema, das die ganze Gesellschaft betrifft und nicht nur Arbeitgeber oder -nehmer.
Nach Angaben der Psychotherapeutenkammer machen die psychischen und psychosomatischen jetzt bereits einen Anteil von 11% der krankheitsbedingten Fehltage aus. Diese Zahl hat sich in den letzten 10 Jahren etwa verdoppelt. Hiernach verursachen Depressionen den weitaus größten Anteil der Arbeitsunnfähigkeit – gefolgt von Anpassungsstörungen und psychosomatischen Erkrankugen.
Die Analyse des Bundesverbandes offenbart aber auch die steigende Tendenz der Krankheitsdauer. Hiernach verursachen Langzeiterkrankungen etwa 45% der Ausfalltage. Dies bedeutet einerseits für den Betroffenen unterschiedlich starke Einschnitte in ihrer Lebensqualität und andererseits für Unternehmen vermehrte Herausforderungen, um die entstandenen Fehlzeiten zu kompensieren.
Was hier allerdings nicht erfasst wurde sind die Leistungseinbußen, wenn der Arbeitnehmer zur Arbeit geht, obwohl er sich nicht „fit“ fühlt – also „sich zu Arbeit schleppt“. Ein niedriger Krankenstand ist auf den ersten Blick zweifellos gut für die Unternehmen, jedoch mit welchem Preis wird dieser „erkauft“? Wenn ein Mitarbeiter nicht zu 100% leistungsfähig ist, kann er zwar anwesend sein, jedoch: was und wieviel erwirtschaftet er in dieser (oftmals ziemlich langen) Zeit wirklich für seinen Arbeitgeber?
Und was bedeuten psychische Erkrankungen für den Betroffenen?
Neben dem Verlust der eigenen Lebensqualität beeinflussen sie auch das Umfeld der Betroffenen, also Familie, Bekannte – und nicht zuletzt auch Kollegen.
Was bedeutet eigentlich „psychische Erkrankung“?
Dieser Begriff umschreibt – im Gegensatz zur körperlichen – etwas, was man nicht unbedingt offensichtlich sehen kann. Beispielsweise ist ein Beinbruch sehr offen“sicht“lich – eine Angst vor etwas hingegen sehr viel weniger. Vielleicht rühren daher die Vorbehalte mancher Teile der Gesellschaft gegen Psychisches? Hier würde eine Entstigmatisierung sowohl der psychischen Erkrankungen im Allgemeinen als auch der Betroffenen diesen sehr viel weiterhelfen – erinnert man sich noch an den Fall des hannoveranischen Fußballnationaltorwartes Robert Enke.
Was können Betroffene tun?
Sicherlich wäre es unverantwortlich das Gebiet der psychischen Erkrankungen herunterzuspielen, aber in den letzten Jahrzehnten haben sich in diesem Bereich eine Menge neuer Möglichkeiten ergeben. Vorurteile wie „die Couch des Sigmund Freud“, das „Verrücksein“ oder das „zwangsweise Einnehmen stärkster Medikamente mit erheblichen Nebenwirkungen“ dürfen für eine Vielzahl psychischer Erkrankungen als nicht (mehr) zutreffend angesehen werden.
Eine enge Zusammenarbeit im Gespräch zwischen „Therapeut“ und Betroffenen liefert in der Mehrzahl der Fälle eine gute und nachhaltige Genesung.
In diesem psychischen Bereich kommen als spezifische „Therapeuten“ Psychologen bzw. Psychotherapeuten oder Heilpraktiker Psychotherapie (HPG) in Frage. Ihre Berufsbezeichnungen sind geschützt. Das bedeutet, sie dürfen sich nur nach entsprechenden Prüfungen so nennen. Da es erfahrungsgemäß länger dauert, um einen Platz beim Psychotherapeuten zu bekommen, kann es durchaus sinnvoll sein – gerade bei akuten Symptomen – einen Heilpraktiker Psychotherapie (HPG) aufzusuchen. Hier kann – ähnlich wie beim Psychologen – im Gespräch bzw. der gemeinsamen Arbeit die Ursache der psychischen Erkrankung gefunden und anschließend auch behoben werden. Hierzu stehen ihnen verschiedene Ansätze und Techniken zur Verfügung. Die Frage, ob jemand wirklich „therapiebedürftig“ (im engeren Sinne) ist, kann vor Beginn geklärt werden, denn manchmal brauchen Betroffene keine Therapie, sondern nur einige wenige Sitzungen.
Kontaktdaten:
Praxis für Hypno- & Psychotherapie (HPG)
Elger Jochintke
Heilpraktiker Psychotherapie (HPG)
Gärtnerstraße 71
25335 Elmshorn
Telefon:04121 - 701 3001
info@hypnose4all.de
www.hypnose4all.de
Normalerweise beteilige ich mich nicht an Aufrufen jeglicher Art, aber außergewöhnlich wichtige Informationen erfordern außergewöhnliches und entschlossenes Handeln.
Aufgrund der Brisanz dieses Themas habe ich dieses Memorandum bereits unterstützt und gebe es deshalb auch hier gerne weiter:
Zur psychosozialen Lage in Deutschland
Wir sind Fachleute, die Verantwortung für die Behandlung seelischer Erkrankungen und den Umgang mit psychosozialem Leid in unserer Gesellschaft tragen.
Wir möchten unsere tiefe Erschütterung über die psychosoziale Lage unserer Gesellschaft zum Ausdruck bringen.
In unseren Tätigkeitsfeldern erfahren wir die persönlichen Schicksale der Menschen, die hinter den Statistiken stehen.
Seelische Erkrankungen und psychosoziale Probleme sind häufig und nehmen in allen Industrienationen ständig zu.
Circa 30 % der Bevölkerung leiden innerhalb eines Jahres an einer diagnostizierbaren psychischen Störung. Am häufigsten sind Depressionen, Angststörungen, psychosomatische Erkrankungen und Suchterkrankungen.
Der Anteil psychischer Erkrankungen an der Arbeitsunfähigkeit nimmt seit 1980 kontinuierlich zu und beträgt inzwischen 15 – 20 %.
Der Anteil psychischer Erkrankungen an vorzeitigen Berentungen nimmt kontinuierlich zu. Sie sind inzwischen die häufigste Ursache für eine vorzeitige Berentung.
Psychische Erkrankungen und Verhaltensprobleme bei Kindern und Jugendlichen nehmen kontinuierlich zu.
Psychische Störungen bei älteren Menschen sind häufig und nehmen ständig zu.
Nur die Hälfte der psychischen Erkrankungen wird richtig erkannt, der Spontanverlauf ohne Behandlung ist jedoch ungünstig: Knapp 1/3 verschlechtert sich und knapp die Hälfte zeigt keine Veränderung, chronifiziert also ohne Behandlung.
In allen Altersgruppen, bei beiden Geschlechtern, in allen Schichten und in allen Nationen zunehmenden Wohlstands nehmen seelische Erkrankungen zu und besitzen ein besorgniserregendes Ausmaß.
Die gesellschaftlichen Kosten der Gesundheitsschäden durch Produktivitätsausfälle, medizinische und therapeutische Behandlungen, Krankengeld und Rentenzahlungen sind enorm.
Eine angemessene medizinische und therapeutische Versorgung ist weltweit nicht möglich. Trotz der kontinuierlichen Zunahme an psychosozialen medizinischen Versorgungsangeboten ist die Versorgung auch in Deutschland angesichts der Dynamik und des Ausmaßes der seelischen Erkrankungen nur in Ansätzen möglich.
Die Ursache dieser Problemlage besteht nach unseren Beobachtungen in zwei gesellschaftlichen Entwicklungen:
Die psychosoziale Belastung des Einzelnen durch individuellen und gesellschaftlichen Stress, wie z. B. Leistungsanforderungen, Informationsüberflutung, seelische Verletzungen, berufliche und persönliche Überforderungen, Konsumverführungen, usw. nimmt stetig zu.
Durch familiäre Zerfallsprozesse, berufliche Mobilität, virtuelle Beziehungen, häufige Trennungen und Scheidungen kommt es zu einer Reduzierung tragfähiger sozialer Beziehungen und dies sowohl qualitativer als auch quantitativer Art.
Die Kompetenzen zur eigenen Lebensgestaltung, zur Bewältigung psychosozialer Problemlagen und zur Herstellung erfüllender und tragfähiger Beziehungen sind den Anforderungen und Herausforderungen dieser gesellschaftlichen Entwicklungen bei vielen Menschen nicht gewachsen.
Angesichts der vorherrschenden gesellschaftlichen Orientierung an materiellen und äußeren Werten werden die Bedeutung des Subjektiven, der inneren Werte und der Sinnverbundenheit dramatisch unterschätzt.
Wir benötigen einen gesellschaftlichen Dialog über die Bedeutung des Subjektiven, des Seelischen, des Geistig-spirituellen, des sozialen Miteinanders und unseres Umgangs mit Problemen und Störungen in diesem Feld.
Wir benötigen einen neuen Ansatz zur Prävention, der sich auf die grundlegenden Kompetenzen zur Lebensführung, zur Bewältigung von Veränderungen und Krisen und zur Entwicklung von tragfähigen und erfüllenden Beziehungen konzentriert.
Wir benötigen eine Gesundheitsbildung, Erlernen von Selbstführung und die Erfahrung von Gemeinschaft schon im Kindergarten und in der Schule, z. B. in Form eines Schulfaches "Gesundheit".
Wir benötigen eine ganzheitliche, im echten Sinne psychosomatische Medizin, die die gegenwärtige Technologisierung und Ökonomisierung der Medizin durch eine Subjektorientierung und eine Beziehungsdimension ergänzt.
Wir benötigen eine Wirtschaftswelt, in der die Profit- und Leistungsorientierung ergänzt wird durch eine Sinn- und Lebensorientierung für die Tätigen.
Wir benötigen einen integrierenden, sinnstiftenden und soziale Bezüge erhaltenden Umgang mit dem Alter.
Wir benötigen eine das Subjektive und Persönliche respektierende, Grenzen achtende und Menschen wertschätzende Medienwelt.
Wir benötigen ein politisches Handeln, das bei seinen Entscheidungen die Auswirkungen auf das subjektive Erleben und die psychosozialen Bewältigungsmöglichkeiten der Betroffenen reflektiert und berücksichtigt.
Wir benötigen mehr Herz für die Menschen.
Wenn Sie weitere Fragen zu diesem Thema haben, so wenden Sie sich gerne an mich oder die Initiatoren dieses Memorandums:
Dr. Joachim Galuska
Facharzt für Psychosomatische Medizin, für Psychiatrie und Psychotherapie
Master of Business Administration
Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor der Heiligenfeld Kliniken in Bad Kissingen und Waldmünchen
Prof. Dr. med. Thomas Loew
Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychiater und Psychoanalytiker
Leiter der Klinik für Psychosomatische Medizin am Klinikum der Universität Regensburg
Dr. med. Johannes Vogler
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Sozialmedizin, Rehabilitationswesen
Wir möchten diesen Aufruf an möglichst viele weitere Verantwortliche – auch in Netzwerken verbreiten, um auf die aktuelle Lage in Deutschland aufmerksam zu machen. Das Ausmaß dieser Problematik scheint in unserer Gesellschaft nicht ausreichend wahrgenommen zu werden und sollte dann in einen wichtigen Stellenwert innerhalb des gesellschaftlichen Dialoges einnehmen.